Aufstockung oder Umabu von Immobilien

Die Vor- und Nachteile von „Nachverdichtung“

In den großen Städten versucht man dem anhaltenden Zustrom an Menschen und dem damit einhergehenden akuten Wohnungsmangel mit Nachverdichtung zu begegnen. Das heißt, man möchte durch Bebauung von freien Flächen den vorhandenen Platz optimal nutzen. Doch nicht überall wird mit Augenmaß zu Werk gegangen. So wird es vielerorts bereits zu eng.

 

Nachverdichtung birgt großes Potenzial – bringt aber auch Konflikte mit sich

In ganz Deutschland wird um-, auf- und neu gebaut. Es wird versucht freie Flächen im Bereich bereits bestehender Bebauung zu schließen. Denn in den deutschen Städten fehlen, gemäß einer Studie  der Hans-Böckler-Stiftung, 1,9 Millionen Wohnungen. Die „Nachverdichtung“ soll Abhilfe schaffen. Das bedeutet, dass man durch Aufstockung, Anbauten oder Bauen von Immobilien in zweiter Reihe die vorhandene Bauflächen effektiver nutzen möchte. Bis zu 1.5 Millionen neue Wohnungen sollen die Lücken füllen. Laut einer Studie der Quantum Research Unit könnten allein durch Dachaufstockungen 1,1 Millionen neue Wohnungen entstehen.

Grundsätzlich ist das Konzept der Nachverdichtung keineswegs eine Laune übereifriger Stadtplaner. Mit Augenmaß durchgeführt, bringt die Nachverdichtung in der Innenstadt viele Vorteile. Denn die neuen Räume müssen strukturell nicht neu erschlossen werden. So ist die komplette Infrastruktur (Straßen, Strom, Wasser, Telefon, Internet sowie Nahverkehr, Schulen und Einkaufsmöglichkeiten) bereits vorhanden. Und auch soziale und kulturelle Angebote würden verstärkt Zulauf finden und genutzt.

Die Bundesregierung unterstützt das Konzept, indem sie den Kommunen mehr Spielraum für die Bebauung von Innenstadtflachen einräumt. Fallstudien hätten gezeigt, dass die städtebauliche Nachverdichtung ein beträchtliches Potenzial für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung birgt. Doch nicht überall gelingt der Lückenschluss. So mancher Neubau ist deplatziert und überdimensioniert. Dadurch nimmt er den bestehenden Häuserzeilen Licht und Luft. Immer mehr grüne Oasen schwinden.

 

Die Immobilien rücken enger zusammen

Besonders die  Bebauung von Hinterhöfen und auf Siedlungswiesen stößt auf Ablehnung der alteingesessenen Anwohner. Sie sind durch die zunehmende Enge um ihre Lebensqualität besorgt sind. Die Betroffenen fürchten höhere Mieten, mehr Stress durch Lärm und Verkehr, Platzmangel und soziale Konflikte durch dichtgedrängtes Wohnen. Die räumlich-soziale Verdichtung kann auch zu einer Gentrifizierung führen. Denn die Aufwertung eines Stadtteils durch Sanierung oder Umbau hat nicht selten zur Folge, dass die ansässige Bevölkerung durch wohlhabendere Schichten verdrängt wird. Von daher bleibt die Nachverdichtung ein Streitthema.