Wer haftet bei Schimmelbildung in der Wohnung

Schimmel in der Wohnung – Wer haftet?

Wenn sich in einer Immobilie Schimmel ansiedelt, ist der Streit zwischen Mieter und Vermieter so gut wie vorprogrammiert. Wer ist schuld? Wer haftet für etwaige Schäden in der Mietwohnung oder dem Haus? Für die Rechtsprechung ist es ein klarer Fall: Derjenige, der den Schimmel verursacht hat, haftet auch. Doch gerade hier liegt die Streitaxt begraben, denn so klar ist das oft gar nicht.

 

Wichtige Verhaltensregeln für Mieter und Vermieter

Der Mieter sollte nicht voreilig die Mietzahlung einstellen oder gar ausziehen, Denn laut BGH setzt eine außerordentliche fristlose Kündigung wegen erheblicher Gesundheitsgefährdung voraus, dass der Mieter dem Vermieter eine angemessene Abhilfefrist gesetzt hat oder ihm eine Abmahnung erteilt hat (BGH, Az. VIII ZR 182/06). Wenn der Mieter nach Ablauf der Frist versucht, den Mangel selbst zu beseitigen, verwirkt er seinen Anspruch gegenüber dem Vermieter (BGH, Az. VIII ZR 222/06). Erst wenn dieser nach erneuter Mahnung nicht tätig wird, kann der Mieter den Schaden bzw. den Schimmel beseitigen (lassen). Bis dieser behoben ist, hat er dann das Recht auf Mietminderung.

Bei Mängeln an der Bausubstanz, Wasserschäden oder Fehler bei Sanierungsarbeiten haftet der Immobilien-Vermieter. Aber aus dessen Sicht mag sich die Sachlage ganz anders darstellen: Er ist der Meinung der Mieter hat die Wohnung nicht ausreichend gelüftet oder die Möbel zu nah an der Wand platziert. Diese Behauptungen muss der Vermieter im Streitfall jedoch beweisen. Auch ein Wegrücken der Möbel von der Wand kann der Vermieter vom Mieter juristisch kaum einfordern. Laut einem Urteil des Amtsgerichtes Osnabrück dürfen Mieter ihre Möbel nach Belieben aufzustellen.

Können sich Mieter und Vermieter nicht einigen, wer für die Kosten der Schimmelbeseitigung aufkommt, muss ein unabhängiger Gutachter die Schadensursache ermitteln. Das Landgericht Frankfurt war der Meinung, dass es auch einem berufstätigen Mieter zumutbar ist, die Wohnung drei- bis viermal täglich zu lüften. Mieterschützer sahen dieses Urteil mit Sorge, denn bis dahin hatten die Amtsgerichte meist anders entschieden. Das Amtsgericht München kam z. B. in einem ähnlichen Fall zu dem Schluss, dass es ausreicht, wenn der Mieter morgens und abends die Fenster öffnet (AG München Az. 412 C 11503/09).

 

Rechtsstreitigkeiten möglichst umgehen

Die Makler von RE/MAX raten aus Kostengründen dazu, einen Rechtsstreit möglichst zu vermeiden. Stattdessen sollte man versuchen, mithilfe eines Sachverständigen eine einvernehmliche Lösung zu finden. Das schont in den meisten Fällen nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Nerven. Vor der Beauftragung eines Sachverständigen sollten sich beide Parteien jedoch darauf einigen, wer hierfür die Kosten trägt. Damit es aber gar nicht erst zu solchen Streitigkeiten kommt, ist es auf jeden Fall ratsam, durch regelmäßiges Stoßlüften am Tag  (5 Minuten reichen oft schon aus) die Schimmelbildung in der Wohnung zu verhindern.