Immobilien-Schenkung mit Nießbrauchrecht

Was ist eigentlich Nießbrauch?

Gerade in der Erkältungszeit könnte man bei dem Wort Nießbrauch schnell in die völlig falsche Richtung denken. Nießbrauch hat jedoch nichts mit Gesundheit zu tun. Im Falle einer Immobilie steht es vielmehr für das Recht, diese zu nutzen und auch wirtschaftliche Vorteile aus ihr ziehen zu dürfen, ohne selbst der Eigentümer zu sein. Meistens wird das Nießbrauchrecht bei der Übertragung einer Immobilie auf die Kinder bei einer vorweggenommenen Erbfolge angewandt. Denn durch dieses behält der ursprüngliche Eigentümer, anders als beim bloßen Wohnrecht, sehr umfassende Rechte an seiner Immobilie. Das erleichtert so manchen Eltern die Entscheidung, die eigene Immobilie schon zu Lebzeiten auf die Nachkommen zu übertragen.

 

Die Vorteile des Nießbrauchrechts

Wenn Eltern das eigene Haus oder die Wohnung bereits zu Lebzeiten auf die Kinder übertragen möchten, so hat dies meistens steuerliche Gründe. Trotzdem fällt vielen Eltern die Entscheidung nicht leicht. Sie haben Sorge, sich dadurch von den Kindern abhängig zu machen. Für diesen Fall gibt es die Möglichkeit, bei der Übertragung der Immobilie ein Nießbrauchrecht im Grundbuch eintragen zu lassen. Dieses sorgt dafür, dass der Schenkende sehr umfassende Rechte an seiner Immobilie behält und er diese auch weiterhin wirtschaftlich nutzen darf (z. B. Vermietung).

Die umfassenden Rechte stellen einen großen Vorteil gegenüber dem reinen Wohnrecht dar. Wie die Rechte und Pflichten sowie der zeitliche Rahmen des Nießbrauchrechts am Ende aussehen, kann vertraglich sehr individuell gestaltet werden. Laut § 1045 BGB muss der Nießbraucher jedoch die Versicherungskosten für den Nießbrauchgegenstand selbst tragen. Ebenso ist er nach § 1041 BGB verpflichtet, für den Erhalt der Immobilie zu sorgen. Wobei er jedoch keine außergewöhnlich hohen Reparaturkosten, wie z. B. die Erneuerung einer Heizung, übernehmen muss.

Auch aus steuerlichen Gesichtspunkten kann die Eintragung eines Nießbrauchrechts sehr interessant sein. Denn durch dieses kann in einigen Fällen die Schenkungssteuer umgangen werden. Da der Wert des Nießbrauchrechts von dem Wert der Immobilie abgezogen werden kann, ist es möglich, dass der Schenkungswert unter den Freibetrag von 400.000 EUR sinkt. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, vor der Eintragung des Nießbrauchrechts ein Wertgutachten erstellen zu lassen.

 

Der Verkauf einer Immobilie mit Nießbrauchrecht

Für den Eigentümer einer Immobilie bedeutet die Eintragung eines Nießbrauchrechts natürlich auch gewisse Nachteile. Denn wenn er die Immobilie verkaufen möchte, bleibt das Nießbrauchrecht bestehen. Wie lange das Nießbrauchrecht gilt, hängt davon ab, welcher Zeitraum vertraglich vereinbart wurde. Das macht den Verkauf einer solchen Immobilie natürlich nicht einfach. Der Verkauf einer Immobilie ist allgemein eine komplexe Angelegenheit, bei dem man sich die Unterstützung von Immobilienexperten holen sollte. Im Falle des Nießbrauchrechts wird aber meist sowieso zwischen Eltern und Kindern vertraglich festgelegt, dass die Immobilie nicht verkauft werden darf, solange die Eltern leben.